Kaum jemand denkt beim Anlegen eines Facebook-Kontos daran, was später einmal damit passiert. Dabei lässt sich mit wenigen Klicks vorsorgen, wie mit dem eigenen Profil nach dem Tod umgegangen werden soll.
Was ist ein Nachlasskontakt?
Ein Nachlasskontakt ist eine Person deines Vertrauens, die du selbst vorab festlegst. Sie erhält nach deinem Tod eingeschränkte Rechte, um dein Profil zu verwalten.
Konkretes Beispiel aus dem Alltag
Stell dir vor, eine Mutter legt ihre erwachsene Tochter als Nachlasskontakt fest. Nach dem Tod der Mutter kann die Tochter das Profil in den Gedenkzustand versetzen lassen, eine kurze Nachricht für Freunde und Familie oben anpinnen, und später entscheiden, ob das Profil dauerhaft im Gedenkzustand bleibt oder auf Wunsch gelöscht wird. Ohne diese Vorbereitung hätte die Tochter denselben Antrag stellen können, allerdings erst nach einem formalen Nachweis des Todesfalls bei Facebook, was zusätzliche Zeit und Aufwand bedeutet hätte.
Der Gedenkzustand im Detail
Wird ein Profil in den Gedenkzustand versetzt, erscheint neben dem Namen der Zusatz “In Erinnerung an”. Das Profil bleibt für Freunde sichtbar, kann aber nicht mehr für eine reguläre Anmeldung genutzt werden, selbst wenn jemand Zugriff auf das ursprüngliche Passwort hätte. Diese Schutzfunktion verhindert Missbrauch verstorbener Konten und schafft gleichzeitig einen Ort, an dem Angehörige und Freunde weiterhin Erinnerungen teilen können.
Was darf ein Nachlasskontakt tun?
Er kann zum Beispiel das Profilbild ändern, eine Nachricht im Gedenkzustand-Profil anpinnen oder, sofern du das vorab erlaubt hast, das Konto endgültig löschen lassen. Auf private Nachrichten hat er keinen Zugriff, und er kann sich nicht mit deinem Passwort anmelden.
Wie richte ich einen Nachlasskontakt ein?
In den Kontoeinstellungen findest du unter dem Bereich für den Gedenkzustand die Möglichkeit, eine Person auszuwählen und ihr diese Rolle zuzuweisen.
Was passiert ohne festgelegten Nachlasskontakt?
Angehörige können trotzdem einen Antrag stellen, das Konto in den Gedenkzustand zu versetzen oder es löschen zu lassen, allerdings dauert dieser Weg meist länger und erfordert einen Nachweis des Todesfalls.
Warum lohnt sich die Vorsorge?
Sie erspart Angehörigen in einer ohnehin schwierigen Zeit zusätzlichen bürokratischen Aufwand und stellt sicher, dass mit deinem digitalen Erbe so umgegangen wird, wie du es dir gewünscht hättest.
Was passiert mit Fotos und Erinnerungen im Gedenkzustand?
Alle Fotos, Videos und Beiträge bleiben im Gedenkzustand unverändert erhalten und für Freunde weiterhin sichtbar, sofern die ursprünglichen Privatsphäre-Einstellungen das erlauben. Angehörige können zusätzlich eigene Erinnerungen und Fotos zum Profil beitragen, wodurch daraus über die Zeit oft ein gemeinsamer digitaler Ort der Erinnerung entsteht, statt eines einfach nur stillgelegten Kontos.
So findest du die richtige Person
Wähle als Nachlasskontakt jemanden aus, dem du wirklich vertraust und der technisch in der Lage ist, sich mit den Facebook-Einstellungen zurechtzufinden, etwa ein enges Familienmitglied oder eine gute Freundin. Sprich die Entscheidung idealerweise vorher mit der Person ab, damit sie im Ernstfall weiß, was von ihr erwartet wird, statt völlig unvorbereitet vor der Aufgabe zu stehen.
Unterschied zu einer normalen Kontolöschung
Eine normale Kontolöschung entfernt alle Daten dauerhaft und unwiderruflich, ganz gleich, ob durch dich selbst oder später durch Angehörige beantragt. Der Gedenkzustand hingegen bewahrt das Profil bewusst als Erinnerungsort, was für viele Familien der emotional passendere Weg ist als eine vollständige, endgültige Löschung direkt nach dem Todesfall.
Vergleich zum Blockieren oder Löschen zu Lebzeiten
Anders als beim Blockieren, das einen aktiven Kontakt zwischen zwei lebenden Nutzern unterbindet, regelt der Nachlasskontakt ausschließlich den Umgang mit einem Profil nach dem Tod. Und anders als eine Löschung zu Lebzeiten bleibt das Profil im Gedenkzustand als bewusster Erinnerungsort erhalten, statt vollständig zu verschwinden. Diese drei Mechanismen ergänzen sich, decken aber jeweils eine andere Situation ab.
Wie andere Plattformen mit dem Todesfall umgehen
Auch andere soziale Netzwerke bieten inzwischen ähnliche Mechanismen an, die Umsetzung unterscheidet sich jedoch im Detail. Facebook gilt mit dem Nachlasskontakt als einer der am weitesten entwickelten Ansätze, da er eine klare, im Voraus festgelegte Verantwortlichkeit schafft, statt Angehörige erst im Ernstfall mit komplizierten Nachweisverfahren zu konfrontieren.
Häufige Fragen
Kann ich den Nachlasskontakt später wieder ändern?
Ja, die Auswahl lässt sich jederzeit in den Einstellungen anpassen, solange du selbst noch Zugriff auf dein Konto hast.
Muss die Person, die ich auswähle, zustimmen?
Facebook informiert die ausgewählte Person automatisch, sie muss die Rolle jedoch nicht aktiv bestätigen, um später als Nachlasskontakt zu handeln.
Was passiert, wenn ich gar keinen Nachlasskontakt festlege?
Angehörige können trotzdem einen Antrag auf Gedenkzustand oder Löschung stellen, müssen dafür jedoch einen Nachweis des Todesfalls einreichen, was den Prozess verlängert.